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Kloster Lüthkeshof



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Montag, 15. Juni 2009

Newsletter Nr.9 (Juni 2009)

Von frankfuhg, 17:28
Geduld
"Wenn der Baum geboren wird, ist er nicht sofort groß.

Wenn er groß ist, blüht er nicht sofort.
Wenn er blüht, bringt er nicht sofort Früchte hervor.
Wenn er Früchte hervor bringt, sind sie nicht sofort groß.
Wenn sie groß sind, sind sie nicht sofort reif.
Wenn sie reif sind, werden sie nicht sofort gegessen."
(Aegidius von Assissi)


Liebe Freunde und Interessierte!
Dieser Text des seligen Aegidius von Assissi ziert unsere neueste Speisekarte im Klosterstübchen.  Aegidius, ein Freund und Zeitgenosse des Heiligen Franz, lebte als Eremit und vertiefte sich in die Kontemplation, das, was seit einigen Jahren unter dem Namen ( Zen-) Meditation im Westen einen großen Aufschwung erfährt. Zu seinen Lebzeiten war Aegidius berühmt und geachtet und wurde von vielen Menschen aufgesucht, die seinen Rat suchten. Er selbst kam von einem Bauernhof, hatte nie studiert, war ein sehr kerniger und bodenständiger Mensch, und im Gegensatz zu Franziskus von vitaler Gesundheit. Auf seinem Weg der Meditation wurde ihm eine tiefe Gottesschau zu Teil, Gotteserfahrungen, welche wir heute gerne mit Erleuchtungserlebnissen bezeichnen und was uns oft so glatt vom Mund geht, was aber alles andere als glatt und einfach ist. Aussagen und Sprüche des Aegidius wurden von seinen Zeitgenossen aufgezeichnet und machten in vielfältigen Sammlungen in ganz Europa die Runde. Manche Texte kommen mir heutzutage sehr modern vor, andere wieder sind herausfordernd oder wirken auf den ersten Blick sperrig und unserem Zeitgeist zuwiderlaufend. Und manchmal scheint mir gerade das besonders spannend. So oft stelle ich ja fest, dass ich selbst vieles nur durch die Brille des Zeitgeistes denke oder verstehe und dabei den Mythen der Moderne erliege, den gesellschaftlichen Absprachen und Vereinbarungen, die ja oft modern sein mögen, aber nicht unbedingt wahr sind. Es lohnt sich also auf jeden Fall, die Texte des Aegidius zu lesen.

Wir haben uns daraus diesen Spruch über die "Geduld" ausgesucht, denn das ist etwas, worin wir uns hier auf dem Hof tagtäglich einüben können. Veränderungen brauchen Zeit, und das betrifft natürlich auch die innere und äußere Rekonstruktion des alten Franziskushofes unter dem neuen Namen "Kloster Lüthkeshof".

Im Mai hatten wir immer wieder Gäste, welche mit uns für einige Tage das Leben hier teilten und sich auch tatkräftig auf dem Hof engagierten, sei es bei der Renovierung der Blockhütten oder im Garten. Vieles ist noch zu tun, und wir gehen Schritt für Schritt voran. Die ersten Gäste im Rahmen des "Kloster auf Zeit" teilten mit uns auch Meditation und Stundengebet.

Überhaupt ist das Singen des Stundengebets für uns daran Beteiligte eine Quelle der Kraft und Freude. Am Sonntag feierten wir immer wieder gemeinsam einen schönen Gottesdienst, wir haben jetzt eine für uns runde und stimmige Form gefunden. Die Meditationszeiten in der Frühe und am Abend rahmen den Tag auf eine gute Weise ein. Wir versuchen, sie wirklich als einen Rahmen zu verstehen, als ein Tor zur nächtlichen (und auch morgendlichen) Stille, in der jeder in besonderer Weise zu sich finden kann. In diesem Sinne planen wir auch, den Bereich mit den Gästeblockhütten als Stillebereich zu gestalten.

An einigen schönen Sommerabenden im Mai konnten wir bereits an unserer Feuerstelle um das Lagerfeuer sitzen: Hoffen wir, dass noch viele warme Sommerabende kommen, die uns solche schönen Momente am Feuer mit unseren Gästen und Freunden ermöglichen.

Auch einige neue tierische Mitbewohner sind auf dem Hof dazugekommen. Zur Zeit haben wir sieben junge Kätzchen, für die wir schnellstmöglichst noch Abnehmer suchen. Seit einigen Wochen sind außerdem wieder drei Schweine im Saustall und seit Anfang Juni legen Junghennen im Hühnerstall ihre ersten Eier. Wir haben den Hühnerstall neu abgedichtet und hoffen, dass nunmehr kein Fuchs mehr eindringen kann, nachdem die alten Hühner ja nach und nach alle gerissen hatten. Die Lämmchen wachsen und gedeihen und es ist gerade Zeit, mal wieder ihre Klauen zu schneiden.

Mitte Mai kam Kevin zu uns auf dem Hof, unser jüngster Mitbewohner. Er hilft tatkräftig in Haus und Hof und möchte perspektivisch die Abendschule besuchen und eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich machen. Seit Juni hat Klara eine Blockhütte bei uns bezogen, und wir haben damit die erste weibliche Mitbewohnerin in unserem Männerhaufen. Das wird uns bestimmt gut tun.

Wir freuen uns weiterhin über alle, die sich für unsere Gemeinschaft, unser Gebet  und unsere Arbeit interessieren und Lust verspüren, etwas davon mit uns zu teilen.

Allen Freunden in Verbundenheit mit herzlichen Grüßen von der Kommunität Kloster Lüthkeshof

Matthias